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Eisen und Jod, Kapitel für Kapitel durchgerechnet

Dieser Leitfaden nimmt beide Mineralstoffe einzeln durch: Herkunft in der Nahrung, Anteil, der die Darmwand passiert, Verteilung im Körper und der Wortlaut, den die Europäische Union dazu freigegeben hat. Zu jeder Zahl steht dabei, woher sie stammt.

Stand der Bearbeitung: 2026 · Zitate nach Verordnung (EU) Nr. 432/2012


Der Kopf als Dauerverbraucher

Bevor es um einzelne Elemente geht, lohnt ein Blick auf die Größenordnung. Das Gehirn macht rund zwei Prozent des Körpergewichts aus und beansprucht in Ruhe etwa ein Fünftel des gesamten Energieumsatzes. Diese Ungleichheit ist der Grund dafür, dass Fragen zur Mineralstoffversorgung des Nervengewebes überhaupt eigenständig gestellt werden.

Rund 120 Gramm Glukose, gleichmäßig über den Tag verteilt

Nervenzellen decken ihren Bedarf im Normalfall aus Glukose. Ein Erwachsener setzt dafür pro Tag ungefähr 120 Gramm um. Die Abgabe verteilt sich erstaunlich gleichmäßig: Zwischen einer anspruchsvollen geistigen Tätigkeit und dem Zustand ruhigen Wachliegens liegen messbar nur wenige Prozentpunkte Unterschied.

Der Sauerstoffverbrauch folgt derselben Logik. Etwa 50 Milliliter pro Minute fließen in dieses Organ, was bei einem gesunden Erwachsenen rund einem Fünftel der gesamten Sauerstoffaufnahme entspricht. Beide Größen zusammen ergeben die oft zitierte Dauerlast von etwa 20 Watt.

Warum Ruhe kein Sparmodus ist

Der größte Posten in dieser Bilanz sind nicht Gedanken, sondern Pumpen. Nervenzellen halten über ihre Membran ein Spannungsgefälle aufrecht, und das kostet fortlaufend Energie, unabhängig davon, ob gerade ein Signal läuft. Schätzungen ordnen dieser Grundarbeit die Mehrheit des Verbrauchs zu.

Energie liefert in allen Körperzellen dieselbe Maschinerie: die Atmungskette in den Mitochondrien. Mehrere ihrer Proteinkomplexe tragen Eisen, teils als Hämgruppe, teils als Eisen-Schwefel-Cluster. An dieser Stelle setzt einer der zugelassenen Sätze an, der weiter unten im Wortlaut steht.


Nicht jede Hirnregion enthält gleich viel Eisen

Von den drei bis vier Gramm Eisen eines erwachsenen Körpers entfällt der weitaus größte Anteil auf den roten Blutfarbstoff. Was im Gehirn liegt, fällt daneben kaum ins Gewicht — verteilt sich aber sehr ungleich über die Regionen.

Ferritin in den Oligodendrozyten

Unter allen Zelltypen des Gehirns enthalten Oligodendrozyten das meiste Eisen. Diese Zellen bilden die Myelinscheiden, also die isolierenden Hüllen um die Nervenfortsätze. Der Aufbau dieser Hüllen verlangt viel Fettsynthese, und mehrere der beteiligten Enzyme tragen Eisen. Gespeichert wird das Metall in Ferritin, einem Proteinmantel, der bis zu mehrere tausend Eisenatome fasst und sie in einer wenig reaktiven Form hält.

Basalganglien: die dichtesten Vorkommen im Gehirn

Messungen an Gewebeproben zeigen die höchsten Konzentrationen in Globus pallidus, Substantia nigra und Nucleus caudatus. Die Werte steigen im Lauf des Lebens an und erreichen etwa ab dem dritten Lebensjahrzehnt ein Plateau. Warum ausgerechnet diese Kerngebiete so viel einlagern, ist Gegenstand laufender Forschung.

Ein biochemischer Anhaltspunkt: Die Tyrosinhydroxylase, die den ersten Schritt zu den Catecholaminen katalysiert, trägt in ihrem aktiven Zentrum ein Eisenatom. Sie kommt in genau jenen Bahnen vor, die in den Basalganglien zusammenlaufen.

„Eisen trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Zwischen Speicherprotein und Messwert liegt eine Unschärfe

Im Blut lässt sich Ferritin bestimmen, und dieser Wert gilt als übliches Maß für die Speichermenge. Er bildet allerdings den Gesamtbestand ab und nicht die Verhältnisse in einem einzelnen Organ. Hinzu kommt, dass Ferritin bei Entzündungen ansteigt, ohne dass sich am Vorrat etwas geändert hätte. Die Einordnung eines Laborwerts gehört deshalb in die Arztpraxis und nicht auf eine Webseite.


Jod: ein Umweg über die Schilddrüse

Bei Jod liegt der Fall anders. Der Gesamtbestand im Körper beträgt nur 10 bis 20 Milligramm, und etwa drei Viertel davon liegen in einem einzigen Organ. Von dort aus erreicht das Element alle übrigen Gewebe ausschließlich in gebundener Form.

Warum das Element selbst nicht in die Nervenzelle geht

Aufgenommen wird Jod als Jodid. Ein Transportprotein in der Membran der Schilddrüsenzellen holt es aus dem Blut, ein Enzym baut es in ein großes Speicherprotein ein, und aus diesen Bausteinen entstehen zwei Hormone: Thyroxin mit vier Jodatomen und Trijodthyronin mit drei. Nur diese beiden Moleküle verlassen die Drüse.

Im Zielgewebe wird dem Thyroxin ein Jodatom abgespalten, wodurch die aktivere Form entsteht. Sie bindet an Rezeptoren im Zellkern und bestimmt mit, welche Abschnitte des Erbguts abgelesen werden. Die Jodversorgung wirkt also nicht über eine Anwesenheit des Elements im Neuron, sondern über den Hormonhaushalt.

„Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Drei Lebensmittelgruppen tragen den Großteil

In Mitteleuropa liefern Boden und Trinkwasser wenig Jod, was sich in den Gehalten pflanzlicher Erzeugnisse niederschlägt. Nennenswerte Mengen kommen in der Praxis aus drei Richtungen: aus Seefisch und Meeresfrüchten, aus Milch und Milcherzeugnissen sowie aus jodiertem Speisesalz, auch soweit es in Backwaren und Wurstwaren verarbeitet wurde.

Ein Gramm jodiertes Speisesalz enthält in Deutschland zwischen 15 und 25 Mikrogramm. Ob eine Packung jodiert ist, steht in der Zutatenliste; Meersalz ist es nicht automatisch, denn der natürliche Gehalt fällt bei der Trocknung gering aus.


Die Zahl auf der Packung und die Zahl der Fachgesellschaft

Auf Packungen und in Ratgebertexten begegnen einem zwei Sorten von Zahlen, die leicht durcheinandergeraten. Die eine Sorte dient der Kennzeichnung und steht in Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011: 14 mg für Eisen und 150 µg für Jod. Sie gilt einheitlich für alle Erwachsenen, damit Prozentangaben auf Etiketten vergleichbar bleiben.

Die andere Sorte stammt von Fachgesellschaften und ist nach Alter und Geschlecht gestaffelt. Beide Zahlenwerke haben verschiedene Zwecke, und keines von beiden ist eine persönliche Empfehlung. Mit der Verordnung (EU) Nr. 432/2012, aus der die zitierten Sätze stammen, haben sie ohnehin nichts zu tun — jene regelt allein den zulässigen Wortlaut.

Eisen, aufgeschlüsselt nach Lebensmittel

Gerundete Gehaltsangaben je 100 Gramm essbarem Anteil, Rohware.
LebensmittelEisen
Schweineleber18,0 mg
Kürbiskerne12,5 mg
Sesamsamen10,0 mg
Linsen, getrocknet8,0 mg
Haferflocken5,8 mg
Spinat3,4 mg
Rinderfilet2,3 mg
Vollkornbrot2,0 mg

Die Spalte sagt noch nichts darüber, wie viel davon tatsächlich ins Blut gelangt. Aus tierischen Lebensmitteln stammt Eisen überwiegend als Häm-Eisen, das einen eigenen Aufnahmeweg hat; pflanzliches Eisen liegt in anderer Bindung vor, und Phytat aus Getreide und Hülsenfrüchten bremst dessen Aufnahme zusätzlich.

Jod, aufgeschlüsselt nach Lebensmittel

Gerundete Gehaltsangaben je 100 Gramm; bei Seefisch schwanken die Werte stark.
LebensmittelJod
Schellfisch243 µg
Seelachs200 µg
Miesmuscheln130 µg
Kabeljau120 µg
Emmentaler40 µg
Hühnerei10 µg
Kuhmilch11 µg
Speisesalz, jodiert (1 g)15–25 µg

Woher die Zufuhrempfehlungen kommen

Referenzwerte der deutschsprachigen Fachgesellschaften, gerundet, pro Tag.
GruppeEisenJod
Männer ab 19 Jahren10 mg200 µg
Frauen 19 bis 50 Jahre15 mg200 µg
Frauen ab 51 Jahren10 mg180 µg
Jugendliche 13 bis 18 Jahre12–15 mg200 µg
Kennzeichnungswert (EU)14 mg150 µg

Der Unterschied zwischen den Zeilen einer Gruppe und der letzten Zeile erklärt, warum die Prozentangabe auf einer Packung selten genau zu dem passt, was eine Fachgesellschaft für die eigene Altersgruppe nennt.

„Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“

Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012


Was die Kommission zu Eisen und Jod freigegeben hat

Drei Sätze, jeder einzeln geprüft und jeweils genau einem Mineralstoff zugeordnet. Zitiert im Originalwortlaut, ohne Zusatz und ohne Kürzung.

  1. „Eisen trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“ Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
  2. „Eisen trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei“ Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
  3. „Jod trägt zu einer normalen kognitiven Funktion bei“ Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012

Was bei Eisen und Jod regelmäßig gefragt wird

Warum führt das Register zu Eisen zwei Angaben und zu Jod nur eine?

Jede Angabe geht auf ein eigenes Gutachten zurück. Geprüft wird jeweils ein bestimmter Zusammenhang zwischen einem Nährstoff und einer Körperfunktion. Für Eisen wurden zwei solcher Zusammenhänge als ausreichend belegt eingestuft, für Jod in diesem thematischen Umfeld einer. Die Zahl der Einträge sagt nichts über die Wichtigkeit eines Elements aus, sondern nur darüber, wie viele Anträge gestellt und wie sie bewertet wurden.

Warum wird Eisen aus Fleisch anders bilanziert als Eisen aus Linsen?

Beide liefern dasselbe Element, aber in verschiedener chemischer Umgebung. Häm-Eisen aus Fleisch und Fisch nimmt einen eigenen Weg durch die Darmwand und wird von Begleitstoffen der Mahlzeit wenig beeinflusst. Pflanzliches Eisen konkurriert dagegen mit Phytat, Oxalat und Gerbstoffen; Vitamin C in derselben Mahlzeit erhöht den aufgenommenen Anteil. Deshalb rechnen Tabellen für rein pflanzliche Kost mit einem höheren Zufuhrwert.

Schwangerschaft und Stillzeit — ändern sich die Zahlen?

Ja, die Fachgesellschaften nennen für diese Lebensabschnitte eigene Werte, die über denen der Tabelle oben liegen. Welche Zufuhr im Einzelfall sinnvoll ist, gehört in die ärztliche Begleitung der Schwangerschaft und lässt sich nicht aus einer allgemeinen Tabelle ableiten. Diese Seite gibt dazu keine individuelle Auskunft.

Auf welche Datenquellen stützen sich die Tabellen?

Die Gehaltsangaben folgen den gebräuchlichen Lebensmitteltabellen des deutschsprachigen Raums und sind auf ganze oder halbe Einheiten gerundet. Die Zufuhrwerte stammen von den deutschsprachigen Fachgesellschaften, die Kennzeichnungswerte aus Anhang XIII der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011. Der Wortlaut der drei zitierten Sätze stammt aus der Verordnung (EU) Nr. 432/2012.

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